Zivilcourage über alle Grenzen hinweg!

Zivilcourage ist zum neuen Schlagwort geworden. Es wird beklagt, dass sie so selten erscheint. Zivilcourage ist eine Tugend, doch viele Mitmenschen haben Furcht, sie anzuwenden. Mangel an Zivilcourage im zwischenmenschlichen Bereich hat zu entsetzlichen Begebenheiten geführt.

Was genau ist eigentlich Zivilcourage?

In seine zwei Bestandteile zerlegt erklärt sich Zivilcourage leicht: “Zivil” stammt aus dem lateinischen “civilis”, was “bürgerlich” bedeutet sowie “anständig” oder “annehmbar”. “Courage” heißt auf französisch “Mut”. Zivilcourage ist also der Mut eines Bürgers beziehungsweise Mitmenschen. Bei Zivilcourage geht es darum, diesen Mut in kritischen Situationen des Alltags zu beweisen, wenn in irgendeiner Form in einer Gesellschaft übliche Werte wie zum Beispiel Menschenrechte missachtet werden. Ein zivilcouragierter Mensch handelt eigenständig, ohne Rücksichtnahme auf sich selbst und ohne Rückhalt einer zustimmenden Gruppe. Oft muss in prekären Situationen nur jemand einen Anfang wagen, und rasch erhält er Unterstützung. Doch sicher kann sich derjenige nicht sein, muss sogar persönliche Repressalien, Sanktionen, Ausgrenzung und weitere unangenehme Konsequenzen befürchten. Deshalb erfordert Zivilcourage Mut.

Wegsehen und scheinbar nichts bemerken ist für zu viele der einfachere Weg. Die Nachrichten bringen immer wieder sich ähnelnde Begebenheiten, wo Menschen auf öffentlichen Plätzen vor ungezählten Zuschauern von wenigen Personen krankenhausreif oder sogar zu Tode geprügelt wurden, ohne dass jemand einschritt. Doch dies beschränkt sich nicht nur auf Deutschland. Auch in anderen Teilen der Welt haben viele Personen ähnliche Handlungsmuster. Selbst im Urlaub kann jeder seinen Teil dazu beitragen, die notwendige Zivilcourage zu leisten. Ein bekanntes Beispiel fand auf Mallorca statt. Dort hat eine Mutter mit ihrer Tocher trotz Urlaub am Strand beherzt eingegriffen und so einem älteren Mann das Leben gerettet. Je mehr Zuschauer eine derartige Szene hat, desto geringer scheint die Chance, dass jemand Zivilcourage zeigt. Die Anonymität der Masse behindert offenbar ein Auftreten mit Zivilcourage.

Der Ursprung der Zivilcourage und ihre Begriffsveränderung

Der Begriff lässt sich erstmalig 1835 in Frankreich nachweisen mit “courage civil” als “Mut des Einzelnen zum eigenen Urteil” sowie “courage civique” als “staatsbürgerlicher Mut”. In Deutschland wurde Zivilcourage 1864 mit einem Ausspruch Bismarcks ein Begriff. Was damals in der Politik Anwendung fand, fand mit der Zeit auch Bezug zum allgemeinen zwischenmenschlichen Handeln.

Heutzutage bezieht sich geforderte Zivilcourage auf Situationen, in denen in einer Gesellschaft als allgemeingültig erachtete demokratische und humane Grundsätze nicht mehr beachtet werden und eine stillschweigende Mehrheit dies geschehen lässt. Ein Einzelner weist darauf hin – durch deutliche Worte oder sein Handeln. Er tritt aus der Masse der Gleichgültigen oder Wegsehenden heraus und benennt das Unrecht. Hierzu gehört Mut. Dieser Mensch erregt Aufmerksamkeit. Er riskiert, selbst angegriffen zu werden. Allerdings kann er auch Zustimmung und Hilfe von weiteren Personen erfahren.

Warum Zivilcourage stets eine Option sein sollte

Oft erweist sich, dass erst einmal jemand einen Anfang machen muss und in der Folge weitere Unterstützung erfährt. Würde mehr Zivilcourage gezeigt, eskalierten viele heikle Situationen gar nicht erst. Selbstverständlich ist dabei die jeweilige Situation möglichst realistisch einzuschätzen. Zivilcourage bedeutet nicht, dass das eigene Leben aufs Spiel gesetzt werden soll. Doch dermaßen dramatisch ist die Lage ohnehin selten. Mangelnde Zivilcourage lässt sich bereits in ganz alltäglichen, aber für die Betroffenen häufig dennoch schwer zu ertragenden Situationen, anwenden.